Wir sind Steffi und Frank Winkler, seit 1985 miteinander verheiratet, 1960 bzw. 1959 geboren und deutsche Staatsbürger. Wir wohnen in einem kleinen und beschaulichen, 10 km von Chemnitz entfernt gelegenen Dorf und somit im Südosten Deutschlands; bis zur tschechischen Grenze sind wir gerade mal 40 Minuten mit dem Auto unterwegs.
Wir sind in der DDR aufgewachsen und haben die Mühen der unserer deutschen Zunge ach so fremden russischen Sprache ab der 5. Klasse selbst erleben dürfen. Mehr oder weniger motivierte Lehrer gaben während des Abiturs und des Studiums ihr mehr oder weniger bestes, sodass wir nach vielen Jahren Russischunterricht in der Lage waren, zwar einigermaßen russisch zu sprechen, es aber kaum anwenden konnten - sieht man einmal von Urlaubsreisen nach Bulgarien ab.
Fakt ist, dass uns eine Menge mit Russland verbindet - nicht nur die Sprache, sondern letztlich war es wohl auch das Allgegenwärtigsein des in der DDR mitunter liebevoll genannten "großen Bruders" Sowjetunion. Wer einen großen Bruder hat versteht, dass man sich unmöglich mit dem großen Bruder wirklich gut verträgt und froh ist, wenn der endlich das Haus verläßt. Manche Dinge dauern eben etwas länger; bei uns bis 1989 und später.
Im Jahr 1986 waren wir auf Einladung eines damals in Moskau arbeitenden Verwandten dort zu Besuch und ob der Größe der Stadt im Vergleich zur Winzigkeit unserer Provinz tief beeindruckt. Wir haben dabei glücklicherweise auch ein wenig des nicht-offiziellen Moskaus gesehen, das den Touristen in ihren Reisebussen verschlossen blieb.
Nach 1989 haben wir erst einmal die neue Freiheit genossen und sind mit dem Wohnmobil durch Spanien, Andorra, Frankreich, die USA und Canada gefahren. Den Traumurlaub in Südafrika haben wir aber erst einmal verschieben müssen, da Steffi schwer erkrankte.
Ja, und dann stand bei uns Gevatter Zufall Pate: Unser Nachbar Michael lebt seit vielen Jahren als Außenhändler mit seiner gesamten Familie in Moskau. Irgendwann haben wir seinen schon häufig ausgesprochenen Einladungen nicht mehr widerstehen können und haben ihn samt Familie in Moskau besucht. Unser Wiedersehen mit Moskau war eine große Überraschung ob der gewaltigen Veränderungen, die sich - nicht immer zum Besten - vollzogen hatten.
Und dann kam es, wie es kommen musste: Das Fernweh war geweckt. In 2004 waren wir in Irkutsk, auf Olchon - Insel im Baikal - und im Sajan-Gebirge. Nun, in 2007 wollten wir eine West-Ost-Tour wagen, um dieses wunderbare Riesenland mit seinen zauberhaften Menschen nicht nur der Kilometerfresserei wegen zu durchqueren, sondern mit allen Sinnen zu erleben. Denn wenn man in der Mitte des Lebens steht oder vielleicht schon ein bisschen darüber hinaus ist, träumt man nicht nur, sonder will mit einem Blick auf die Lebensuhr diese Träume auch gern verwirklichen.
Freunde und Bekannte, die von unserer Tourplanung erfahren haben, reagierten höchst unterschiedlich und regelrecht polarisiert:
Diejenigen, die das Land nur aus den Medien kennen, waren schlichtweg entsetzt und fragten uns allen Ernstes, weshalb wir denn unser Leben riskieren wollen. Wer Russland aber aus eigenem Erleben kennt und mit eigenen Augen erlebt hat, war begeistert. Wir waren froh und auch ein ganz klein wenig stolz darauf, dass wir den main stream verlassen und unseren eigenen Weg gegangen sind. Und es wurde tatsächlich eine traumhafte Reise...

